Neues aus der Welt des Bauens und Wohnens

Deutsche Konjunkturlokomotive, europäische Weichenstellung

erschienen am 5/5/2017

Bild Zinsen Mai 17

Viele potenzielle Immobilienkäufer und Häuslebauer treibt seit Monaten dieselbe Frage um: Wie lange bleiben die Zinsen für Immobilienkredite noch so niedrig? Nachfolgend werde ich die Ausgangslage analysieren und die aktuelle Lage aus meiner Sicht darlegen. Zudem haben wir für Sie im Rahmen des Interhyp-Bauzins-Trendbarometers wieder ausgewählte Experten unserer Finanzierungspartner um eine Einschätzung gebeten.

Zins- und Marktumfeld

Nachdem die Konditionen für zehnjährige Darlehen im ersten Quartal um einige Prozentpunkte angezogen hatten, haben sie im April wieder deutlich nachgegeben. Was heißt das konkret? Die Konditionen für zehnjährige Darlehen liegen aktuell bei rund 1,4 Prozent und damit auf Jahrestiefststand. Weder die Wahlen in Frankreich, noch die ersten 100 Tage des US-Präsidenten Donald Trump oder die Konkretisierung des Brexit konnten im Frühjahr den leichten konjunkturellen Aufschwung in Europa stoppen. Im Gegenteil: Die Konjunkturindikatoren bleiben positiv. Die Inflation nähert sich der Zielmarke von zwei Prozent. Im April stiegen die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 1,9 Prozent. Beim ersten Wahlgang in Frankreich lag Emmanuel Macron vorn. Er gilt als europafreundlich, was an den Anleihemärkten mittelfristig ein Gegengewicht schafft zu den stark nachgefragten deutschen Schuldscheinen. Weil sich die deutsche Wirtschaft unangefochten als Konjunkturlokomotive behauptet, bleiben deutsche Staatsanleihen jedoch bis auf weiteres gefragt. In Verbindung mit der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die im April trotz Teuerungsrate und Wirtschaftswachstum eine Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik angekündigt hat, führt diese Ausgangslage zum aktuellen günstigen Zinsumfeld für Kreditnehmer.

Der Interhyp-Expertenrat

Wer in den nächsten Wochen und Monaten eine Immobilie finanzieren möchte, sollte die Niedrigzinsen geschickt nutzen. Besonders geeignet sind dafür Volltilgerkredite oder Darlehen mit hohen Anfangstilgungen von mindestens drei Prozent. Beiden Kreditarten gemein ist der Entschuldungsturbo. Eine hohe Tilgung führt dazu, dass das Darlehen schneller abbezahlt wird. Das wiederum minimiert die Gefahr einer hohen Restschuld bei Ablauf der Zinsbindung. Aus unseren Beratungsgesprächen wissen wir außerdem, dass Vorab-Beratungen immer wichtiger werden. Dort können Kunden mit unseren Beratern eine mögliche Finanzierung durchspielen – auch wenn sie noch kein Objekt gefunden haben. Der Vorteil daran: Wer weiß, wie viel er sich leisten und zu welchen Konditionen er einen Kredit aufnehmen kann, kann nicht nur besser nach einem geeigneten Objekt suchen. Hat er sein Traumhaus gefunden, ist die Finanzierung schneller geklärt. In einem Markt, in dem es mehr Kaufwillige als Verkäufer gibt, ist dieser Vorteil nicht zu unterschätzen.

Kurz und knapp: Das sagen die Experten

Die Experten werten unisono die starke wirtschaftliche Entwicklung Europas als möglichen Katalysator für steigende Zinsen. Darüber hinaus ist ihrer Meinung nach der Wahlausgang in Frankreich entscheidend. "Die französischen Wahlen halten die Finanzmärkte in ihrem Bann. Die meisten Beobachter erwarten, dass Macron gewinnt. Sollte das tatsächlich passieren, sollten die Finanzmärkte erleichtert reagieren und vermutlich werden die Kapitalmarktzinsen leicht steigen. So langsam sollte dann auch die EZB den Einstieg in den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik suchen, was auch langfristig zu leicht steigenden Zinsen führen sollte", resümiert exemplarisch ein Experte der ING-DiBa im Interhyp-Bauzins-Trendbarometer. Ein weiterer Fokus der Marktbeobachter liegt auf der Rolle der EZB. "Die Ankündigungen der Notenbanken sind von einer hohen Kontinuität geprägt; entsprechend sind die Zinsen der letzten Wochen stabil", fasst ein Experte der Allianz die Haltung der Notenbanker zusammen, trotz steigender Inflation und Konjunkturprognosen den Kurs des ultrabilligen Geldes beizubehalten. Der Marktbeobachter der HypoVereinsbank lenkt den Blick zusätzlich nach Amerika: "Der bedeutendste Risikofaktor für die Aussicht auf steigende Renditen findet sich in der Amtsführung Donald Trumps. Die Umsetzung seiner Agenda stockt, Wachstumsimpulse bleiben weiterhin aus, unter den Marktteilnehmern nimmt die Skepsis zu, inwieweit der "Reflation Hype" im Nachgang zur Wahl im November gerechtfertigt war."

Fazit

Nach dem jüngsten Zinsrutsch erwarten nun auch kurzfristig mehrere der befragten Experten steigende Zinskonditionen. Langfristig betrachtet, werden die Zinsen steigen – darüber sind sich die von Interhyp befragten Marktbeobachter einig. Sie argumentieren, dass entweder die in den USA eingeleiteten Zinsanhebungen oder eben die Konjunkturerholung in Europa das Zinsniveau zum Jahresende anheben werden. Politische und wirtschaftliche Unsicherheiten sind an den Märkten eingepreist und sorgen längst nicht mehr für starke Ausschläge. Ein Beispiel dafür ist die jüngste Einigung der EU, des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit den griechischen Behörden über ein Sparpaket in Höhe von etwa 3,6 bis 3,8 Milliarden Euro. Das ist Voraussetzung für ein 86 Milliarden Euro schweres Hilfspaket für die Griechen.

Im Detail: Die Aussagen der Experten im Interhyp-Bauzins-Trendbarometer

Urheber der Bilder: