Neues aus der Welt des Bauens und Wohnens

Es bleibt unberechenbar: zu viele Krisen und Konflikte

erschienen am 9/8/2017

Bild Zinsen September 2017

Beim täglichen Blick in die Zeitungsspalten musste ich neulich an Kurt Tucholskys Büchlein "Irgendwas ist immer" denken. Der Autor bringt auf den Punkt, was wir selbst häufig erleben: So richtig wollen Ideal und Wirklichkeit nie zusammenpassen. Für Prognosen zur Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gilt das meiner Meinung nach ebenfalls. Nach den letzten Zahlen zur Inflation und den Arbeitsmärkten sowie der Konjunkturentwicklung in Europa hatten die europäischen Zentralbanker zumindest rhetorisch eine langsame Straffung der ultralaxen Geldpolitik in Aussicht gestellt. Allerdings scheint es, als könnte das aktuelle Welt- und Wirtschaftsgeschehen ziemlich schnell die Erwartungen einer Normalisierung der Geldpolitik zerstreuen - beziehungsweise den zeitlichen Rahmen für mögliche geldpolitische Schritte neu definieren. Denn nach Finanz-, Banken- und Flüchtlingskrise stehen wir dieser Tage vor einem möglichen Nordkorea-Konflikt, dem Diesel-Skandal, der Türkei-Frage und der Euro-Stärke.

Die monatlich im Interhyp-Bauzins-Trendbarometer befragten Experten halten trotz aktueller Entwicklungen mehrheitlich an ihren bisherigen Einschätzungen fest: Langfristig sehen sie beim Baugeld ein höheres Niveau, kurzfristig gleichbleibende Zinskonditionen mit Tendenz zu steigenden Zinsen. Gerade beim unmittelbaren Ausblick muss jedoch gesagt werden, dass die Zinsen im August deutlich nachgegeben haben, womit ein leichter Anstieg eher einer Korrektur gleichkommt. Was das für Sie als Immobilieninteressent heißt, können Sie im aktuellen Zinsbericht lesen. Ebenso wie sich die Lebensweisheiten von Kurt Tucholsky auf den persönlichen Immobilientraum übertragen lassen.

Zins- und Marktumfeld

Gespannt hatten die Markteilnehmer die Sitzung der EZB am 7. September erwartet. Einerseits hatte die Inflation im Euroraum im August mit 1,5 Prozent stärker zugelegt als erwartet und auch in Deutschland waren die Verbraucherpreise den dritten Monat in Folge gestiegen - auf 1,8 Prozent. Die Inflationspreise waren damit im Vorfeld ein starkes Argument für eine konkrete Ankündigung zur Drosseldung der umstrittenen Anleihekäufe und für höhere Leitzinsen.

Andererseits bereitet den EZB-Ratsmitgliedern unter anderem der Höhenflug des Euro Sorgen. Seit Jahresbeginn hat dieser um gut 13 Prozent auf 1,20 Dollar zugelegt. Er könnte das Wirtschaftswachstum bremsen, weil dadurch Produkte im weltweiten Export teurer und unattraktiver werden - was wiederum den Konjunkturaufschwung schwächen könnte und damit die Kauflaune in Europa und nachgelagert die nachfrageabhängige Inflation.

Im Zuge der Globalisierung blicken die Märkte zugleich auf das Geschehen in Nordkorea, das die Großmächte China, Russland und die USA nicht unkommentiert lassen. Der Goldpreis, ein Zeichen des Sicherheitsbedürfnisses, kletterte im August und September auf ein bisheriges Jahreshoch. Eine weitere Frage: Kann und will die amerikanische Notenbank Fed an ihrem geplanten Zinsschritt in 2017 festhalten - mit Blick auf die etwas schwächeren Arbeitsmarktdaten (Arbeitslosenquote nur plus 0,1 Prozentpunkte auf 4,4 Prozent), die bei 1,7 Prozent verharrende Inflation sowie die Auswirkungen der Flutkatastrophe Harvey. Sie wird sehr wahrscheinlich das teuerstes Naturereignis der US-Geschichte werden und wird sich zumindest kurzfristig auf die Konjunktur auswirken.

Der Interhyp-Expertenrat

Wer eine Immobilie kaufen möchte, profitiert Anfang September von niedrigeren Baugeldkonditionen als im Juli und August. Obwohl sich ein durchschnittliches Finanzierungsvorhaben durch den Zinsrückgang um rund 0,15 Prozentpunkte um einige Tausend Euro verbilligt, sollten Sie Ihre Entscheidung nicht von Konditionsschwankungen oder dem Tagesgeschehen abhängig machen. Beides können Sie ohnehin nicht beeinflussen. Wichtiger ist, dass Sie im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld eine Entscheidung treffen, die zu Ihnen und Ihrem Lebenskonzept passt. Ausschlaggebend bleiben dafür die Lebensplanung und die finanziellen Möglichkeiten. Diese sollten Sie gemeinsam mit einem Finanzberater evaluieren. Finden Sie mit einem Experten heraus, wie viel Geld Sie monatlich für einen Kredit ausgeben können und ob Sie für Ihre Wunschimmobilie das nötige Eigenkapital haben. Die darauf basierende Finanzierung muss solide und tragbar sein. Ist sie das, hängt die Grundsatzentscheidung für einen Immobilienerwerb vielmehr davon ab, ob Sie ein passendes Objekt finden. Die weltpolitischen Geschehnisse ändern sich erfahrungsgemäß ständig, denn: "Irgendwas ist immer".

Kurz und knapp: Das sagen die Experten

Die Euro-Aufwertung und geopolitische Unsicherheiten verschaffen Immobilienkäufern mit Finanzierungsbedarf eine Verschnaufpause. Langfristig erwartet die Mehrheit steigende Zinsen.

Fazit

Nachdem zehnjährige Bundesanleihen im Juli mit über 0,5 Prozent auf ein Jahreshoch geklettert waren, sind die Renditen im August wieder gebröckelt. Im September liegen sie bei unter 0,4 Prozent. Die Refinanzierungsbedingungen für Kreditinstitute bleiben auch vor dem Hintergrund des historisch niedrigen Leitzinsniveaus günstig. Sollte die eingeschlagene Inflations- und Konjunkturentwicklung in den USA sowie in Europa zu einer strafferen Geldpolitik führen, wie sie aktuell immer wieder im Raum steht, sprechen mehr Zeichen für eine Zinswende als dagegen.

Im Detail: Die Aussagen der Experten im Interhyp-Bauzins-Trendbarometer

Quelle: Interhyp

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