Neues aus der Welt des Bauens und Wohnens

Zinsen im Frühling noch günstig – Anstieg langfristig

erschienen am 4/9/2018

bild zinsen april 2018

Mirjam Mohr, Vorstand Privatkundengeschäft der Interhyp AG

"In diesen Tagen widmen sich nicht nur viele Menschen in Deutschland dem Frühjahrsputz in ihren vier Wänden. Tausende starten im Frühling ein Bauvorhaben oder kaufen eine eigene Immobilie. Aktuelle Zahlen belegen den Bedarf und Wunsch nach Wohnraum. So wurden 2017 in Deutschland insgesamt mehr als 348.000 Wohnungen genehmigt, wie das statistische Bundesamt vor kurzem mitgeteilt hat. Und obwohl die Preise für Wohnraum in vielen Städten und Regionen Deutschlands gestiegen sind, bleibt der Immobilienerwerb in Deutschland erschwinglich, wie eine Untersuchung des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) zeigt. Gestiegene Gehälter und niedrige Zinsen haben den Preisanstieg oftmals kompensiert.

Auch wir bei Interhyp haben die hohe Nachfrage nach Immobilien und Finanzierungen gespürt. Mit einem vermittelten Kreditvolumen von knapp 20 Milliarden Euro haben wir 2017 einen neuen Volumenrekord erreicht. Dabei konnten wir nicht nur vom Markt profitieren, sondern auch unseren Marktanteil weiter ausbauen - denn unser Modell, digitale Prozesse mit persönlicher Beratung an über 100 Standorten in Deutschland bestmöglich zu vereinen, hat viele Menschen überzeugt. Jeder einzelne Bauherr, jeder Immobilienkäufer, jeder Anschlussfinanzierungskunde ist uns wichtig. Und jeder hat dabei seine eigenen Vorstellungen und Bedürfnisse, die sich in der Finanzierungsstruktur widerspiegeln müssen, damit die Baufinanzierung gelingt – ist und bleibt sie doch für die meisten Menschen die größte finanzielle Entscheidung im Leben."

Zins- und Marktumfeld

Die Konditionen für Immobiliendarlehen sind im März nach dem deutlichen Zinsanstieg im Februar wieder leicht zurückgegangen. Sie sind jetzt Anfang April zum Teil wieder unter die 1,5-Prozent-Marke gesunken. Für die Korrektur gibt es mehrere Ursachen, die zunächst zum deutlichen Rückgang zehnjähriger Bundesanleihen von 0,75 Prozent Mitte Februar auf rund 0,50 Prozent Anfang April beigetragen haben, an denen sich die Bauzinsen unter anderem orientieren. Als marktbestimmend haben sich vor allem zwei Themen erwiesen: der Handelsstreit und die Politik der Notenbanken. Die USA erheben seit Ende März bei der Einfuhr von zum Beispiel Stahl und Aluminium aus China Strafzölle. Daraufhin hat China im Gegenzug Zölle auf US-Produkte wie Früchte und Wein im Wert von drei Milliarden Dollar vorbereitet und damit demonstriert, als Wirtschaftsmacht durchaus milliardenschwere Argumente in den Ring werfen zu können. Der Konflikt hatte sich in den letzten Tagen noch verschärft: Die US-Regierung veröffentlichte eine Liste mit 1300 chinesischen Produkten, die mit Strafzöllen belegt werden sollen, woraufhin China ebenfalls weitere Schritte ankündigte. Auch wenn ganz aktuell wieder beschwichtigende Töne zu hören sind, hatte dieses jüngste Säbelrasseln zwischen den Wirtschaftssupermächten - Goliath gegen Goliath - an den Finanzmärkten Ängste vor einem Handelskrieg geschürt. Die Aktienkurse haben im März nachgegeben; der Dax liegt aktuell bei rund 12.000 Punkten und erreicht in etwa den Stand vom Herbst 2017, der Dow Jones liegt bei rund 24.000 Zählern.

Starke Signale sind zudem von der amerikanischen Notenbank Fed ausgegangen. Zum sechsten Mal hat sie seit der Finanzkrise den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 1,50 bis 1,75 Prozent angehoben. Während dieser Zinsschritt eingepreist und erwartet worden war, signalisierte die Fed darüber hinaus, ihren Straffungskurs wegen besserer Prognosen für das Wirtschaftswachstum in 2018 und 2019 unvermindert fortzuführen. Die Fed behält mit drei Erhöhungen ihren Kurs der kleinen Zinsschritte für das laufende Jahr bei, hat für 2019 anstatt der bisher zwei Zinsanhebungen jetzt ebenfalls drei Zinserhöhungen in Aussicht gestellt.

Anders in Europa, wo die Notenbanken bereits Anfang März getagt hatten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen nicht angetastet und belässt den Satz damit seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Neu war lediglich die Aussage zum Wertpapierkaufprogramm. Erstmals verzichten die Währungshüter auf die zuletzt übliche Formulierung, dass die Notenbank ihre milliardenschweren Anleihekäufe ausweiten könnte, sollten sich die Rahmenbedingungen verschlechtern. Trotz dieses weiteren rhetorischen Ausstiegs aus der ultralockeren Geldpolitik in der Eurozone läuft die Geldpolitik in den USA und Europa immer stärker auseinander. Die aktuellen Konjunktur- und Inflationszahlen lassen den europäischen Währungshütern jedoch kaum eine andere Wahl. Die Inflation in der Euro-Zone lag im März mit 1,4 Prozent zwar über dem Vormonat, ist aber immer noch eher verhalten. Darüber hinaus ist die Industrie der Eurozone im März so langsam gewachsen wie seit mehreren Monaten nicht mehr. Dass die einstigen Sorgenkinder der Eurozone, Griechenland und Portugal wieder positiv von sich reden machen, dürfte für den gesamten Euroraum kaum ins Gewicht fallen.

Der Interhyp-Expertenrat

Wer in diesen Wochen eine Finanzierung erwägt, profitiert im April von der Zinsdelle beim Baugeld, zu der es unter anderem wegen gesunkener Renditen deutscher Staatsanleihen gekommen ist. Wir empfehlen Immobilieninteressenten dennoch, ihre Baufinanzierung von kurzfristigen Betrachtungen des Zinsniveaus zu lösen. Die Konditionen bewegen sich in den kommenden Wochen mit hoher Wahrscheinlichkeit seitwärts, wobei es jedoch zu Schwankungen kommen kann. Ob der einzelne Kreditnehmer jedoch zu 1,40 oder 1,45 Prozent ein Darlehen aufnehmen kann, wird nicht über den Erfolg seiner Finanzierung entscheiden. Wichtiger ist eine langfristig tragfähige Immobilienfinanzierung. Diese wird gewährleistet durch möglichst hohe Rückzahlungsquoten und eine Zinsfestschreibung, mit der der einzelne Kreditnehmer optimal kalkulieren kann. Volltilger-Darlehen bleiben vor diesem Hintergrund empfehlenswert.

Kurz und knapp: Das sagen die Experten

Die meisten Experten erwarten kurzfristig gleichbleibende Zinsen. Im Jahresverlauf 2018 gehen alle befragten Experten von leicht steigenden Konditionen aus.

Im Detail: Die Aussagen der Experten im Interhyp-Bauzins-Trendbarometer

Quelle: Interhyp

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